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Aus der Geschichte des Hauses
Savoir Vivre, das Restaurant und Künstlercafé in der alten Vogtei in Travemünde Das Haupthaus wurde um die Mitte des 16. Jh. erbaut. Vermutlich wurden dabei Reste eines abgebrannten Vorgängerbaus weiter verwendet. Das Nebenhaus entstand 1599. Beide Giebelhäuser haben agbetreppte Stufengiebel, das Haupthaus mit vier Luken, die unteren Fassadenteile mit Fenstern aus dem 19. Jh. Die ursprünglichen Fensteröffnungen lassen sich zum großen Teil rekonstruieren.

Die beschnitzte Rokoko-Haustür wird gerahmt von einem rundbogigen, abgestuften Renaissance-Portal mit besonders schönem Oberlicht.

Das Sandsteinwappen über dem Portal ist verwittert.

Die Fenster im ersten Obergeschoss waren - wie man deutlich ablesen kann - ursprünglich deutlich breiter, als die heutigen. In Archivunterlagen (Kämmereiakten) ist belegt, dass 1773 größere Umbauten stattgefunden haben.

Aus dieser Zeit stammen z.B. die Haustür und eine ehemalige zweiläufige Treppenanlage, deren von ovalen Öffnungen durchbrochene Brüstung mit Rocaillen bemalt ist. Das Gebäude war die ehemalige Vogtei, der Sitz des Lübecker Stadtvogts (Stadtherrn), in Travemünde. Das Nebenhaus wurde als "Audienzhaus" bezeichnet.

Im Inneren wird ein großer Vorraum im Erdgeschoss von der Diele abgegrenzt. Er könnte als repräsentativer Vorraum zum Audienzhaus gedient haben. Die Lage der ehemaligen Dornse und der Küche lassen sich rekonstruieren.

Im Rahmen der Sanierung 2006 wurden abgehängte Decken entfernt. Im sogenannten "Kaisersaal" wurde eine gut erhaltene, bemalte Kassettendecke aus der Renaissance freigelegt.

In vier mal drei rechteckigen Feldern zeigen die Kassetten Portraits römischer Kaiser bzw. Politiker. In einem Feld befinden sich das lübecksche Wappen und die Jahreszahl 1623.

Die Decke ist wegen ihrer Motive, der Gestaltung und wegen des guten Erhaltungszustandes ein einmaliges Zeugnis der Innenraumausstattung eines lübschen Amtshauses des frühen 17. Jh. Auch im Haupthaus - im nördlichen straßenseitigen Raum - gibt es eine bedeutende Deckenmalerei:

Die abgehängte Decke ist mit bemalten Brettern verkleidet. Sie zeigt eine barocke Malerei auf einer Kassettierung des frühen 18. Jh. Dargestellt sind pflanzliche Ornamente sowie umrankte Gesichter und Masken. Unter einer weiteren gräulichen Malschicht aus der Renaissance befindet sich eine spätgotische Malerei in leuchtender Farbigkeit.

Im frühen 17. Jh. wurden auch die Zimmer im ersten Obergeschoss ausgestattet: Die Wände sind auf Putz bemalt. In einer Kartusche werden ein Stier und nicht bekleidete Kinder dargestellt. Die Deckenbalken zeigen auf den Unterseiten Kordelwerk und seitlich stilisierte Blumen. Die zu dieser Balkenmalerei gehörenden Dielenbretter sind nicht erhalten bzw. sie wurden als Deckenschalung in anderen Räumen zweitverwendet gefunden.


Nutzung
Die Gebäude Vorderreihe 7 waren seit dem Mittelalter Sitz der lübeckschen Vögte.
Spätestens ab 1938 war das Gebäude Sitz des 6. Polizeireviers, bis diese 2002 das Haus verließ.
2005 ging das Haus in Privatbesitz über.
Heute wird das Gebäude durch Einzelhandelsgeschäfte, Büros und Gaststätten genutzt.


Denkmalschutz
Bei der ehemaligen lübschen Vogtei handelt es sich um ein eingetragenes Denkmal.